Zweimal täglich

Beim Zähneputzen war mir immer unendlich langweilig. Währenddessen könnte man ein bisschen durch die Wohnung laufen oder in Schubladen wühlen. Allerdings muss man sehr virtuos sein, damit die Zahnpasta indoor bleibt.
Da Zahnreinigung etwas Gesundes ist, habe ich andere gesundheitsfördernde Maßnahmen drangeflantscht. Ich balanciere beim Zähneputzen einbeinig auf einem wackligen Luftkissen (gut für die Sehnen im Fuß) und stemme mit der übriggebliebenen Hand eine Hantel (gut bei kaputter Schulter). Eines Tages knickte das Luftkissen weg, und ich schlug seitwärts polternd auf die Fliesen auf. Die Hantel beschrieb einen schönen Bogen und landete auf meiner Hand. Mit einem Mund voller Zahnpasta kann man nicht um Hilfe rufen. Also blieb ich liegen und wartete.
Dann kam ER um die Ecke, ging am Bad vorbei und sagte beiläufig: „Was liegst Du denn da unten?“
Ich konnte ja nicht sprechen und lag weiter da unten. ER merkte, dass irgendwas nicht stimmen konnte. Kein Gezeter, kein Lachen. ER eilte zurück, half mir auf, und ich konnte endlich den Zahnpastaschaum loswerden.
Empört fragte ich: „Sag mal, hast Du das Poltern nicht gehört?“
ER: „Doch, klar. Aber Du liegst doch sonst hier auch nicht rum.“
Im Moment putze ich mir die Zähne. Zweimal täglich. Währenddessen mache ich sonst nichts. Das laute Lachen vom Orthopäden, als ich die Umstände meiner Verletzungen erklärte, hallt noch in meinen Ohren nach.

Liebe Grüße

Tina Voß