Spinnenmensch

Den ganzen Abend perfekt gestylt, beim Public Viewing schön warm angezogen und Kombinationsmöglichkeiten ohne Ende? Das klappt prima mit der Verwandlungs-Rechtsstreitigkeit oder auch der Verformungs-Spielkartenfarbe. Zumindest sind das lt. Internet die Übersetzungen für den „Morphsuit“, dem Sommertrend 2012. Ein Ganz-Körper-Anzug, der seinen Namen zu Recht trägt. Hände, Kopf, Füße, alles verschwindet hinter dem Polyester-Kondom mit Reißverschluss.

Gut, man sieht ein bisschen aus wie ein ausgebüxter Sklave aus einer Sado-Maso-Bude, aber das ist unkritisch. Weiß ja keiner, wer darin steckt. Zumal die Variationen großartig sind. Gehe ich als Skelett oder als Muskelmensch (pur, ohne störende Haut drüber), Vampir oder Pinguin, Deutschlandflagge oder als Rennfahrer mit aufgemaltem Helm?

Die Bestellseite behandelt auch ausführlich FAQs. So weiß ich, dass ich mit dem Teil trinken kann. Einfach das Getränk in Mundhöhe auf den Stoff kippen. Das meiste sickert durch. Auf die Frage, ob man sich damit fotografieren lassen soll, hilft die Website mit dem Tipp, dass man als Gegenleistung ein Bier fordern sollte. Und da wissen wir ja schon: einfach rein kippen.

Ich starre nun seit Stunden auf diese Website und überlege, ob ich mir einen Kindheitstraum erfüllen sollte. Meine Versuche mit Zwillen, Klebstoff und Bindfäden belastbare Schnüre aus dem Handgelenk schießen zu lassen hatten seinerzeit nicht gefruchtet. Genauso wie die angemalten Bettlaken aussahen wie angemalte Bettlaken, nicht wie mein Held. Einmal Spiderman sein, das wär´s. Wüsste ja keiner, dass ich das bin…

Ihre

Tina Voß