Obsteinkauf

Ich mag meine Schwarzbeere, weil ich Tasten mag. Ich möchte fühlen, wenn ich auf Buchstaben tippe und nicht auf einer Glasscheibe malen. Wischen, drücken, streicheln ist alles toll, aber nicht beim Verfassen einer Email. Hätten mehr Menschen auf der Welt diese Meinung, wäre Blackberry ein wachsendes Unternehmen. Ist es aber leider nicht.
Nun habe ich also ein iPhone. Will ich mal schnell ein lächelndes Gesicht hinter eine Nachricht setzen, komme ich  bei der Erstbedienung schon an Grenzen. Ich muss erst eine eigene Tastatur installieren. Das geht alles andere als intuitiv. Dabei wurde ich so übellaunig, dass ich sowieso keine Lust mehr auf Smileys hatte.
Zuhause hat ER schon seit Anbeginn aller Zeiten ein iPhone. ER machte mir die Diktierfunktion für Emails & Co. schmackhaft. Da aber alles so intuitiv sein sollte, wollte ich das selber herausfinden. Ich sprach also überdeutlich eine lange Nachricht mit einfachen Wörtern in das Mikro. Leider nicht in das der Diktierfunktion, sondern ich verschickte eine Audiomitteilung. Wenn sehr alte Menschen erstmalig auf einen Anrufbeantworter sprechen, klingt das so ähnlich.
ER bekam bisher von mir immer Einkaufslisten auf die Rückseite eines gebrauchten Briefumschlages geschrieben. Das funktionierte tadellos. Jetzt habe ich eine „Besorger“-App auf das iPhone geflanscht bekommen, die auf einen Server in Irland? Bangladesch? zugreift. Ich muss meine Wünsche bei Favoriten suchen, in eine Artikelliste eintragen,  beta-synchronisieren, die Rezeptvorschläge und Pfandmarkenerinnerungen ignorieren und dann schickt die App alles über Bangladesch auf SEIN iPhone. Wir werden verhungern.