Nicht ohne meinen Anwalt

Früher plauschte die halbe Firma in der Mittagspause bedenkenlos über Vorlieben. Seit neuestem ist bei uns eine Misstrauenskultur eingekehrt. Ich suchte nämlich bei den Menschen in unserem Laden Material für meine wöchentlichen Kolumnen.
Arglos berichtete damals z.B. eine Kollegin wie sie sich im ICE ein zu weich gekochtes Ei mit Zeitungspapier vom Mund wischte. Das Ei war weg, dafür standen etwas unscharfe Geschichten in ihrem Gesicht. Da sie dafür die FAZ statt der BILD nahm, mussten interessierte Leser sehr dicht herankommen, um alles lesen zu können. 
Auch, dass sie, die Norddeutsche,  in den USA ihr Geld damit verdient hatte, dass sie bei Disney in einer Verkleidung herum lief, würde sie vielleicht noch erzählen, aber nicht mehr, dass sie als Deutsche gehen musste. Dirndl, bayerischer Dialekt und „Grüß Gott“ inkludiert.
Oder konnte ich ahnen, dass unsere Lady früher eine Noppen-Kondom-Sammlung hatte?  Als sie es erzählt hatte, ahnten die anderen was passieren würde. Mittag will sie künftig nur noch mit anwaltlicher Begleitung in unseren Räumen essen.
Es gibt auch Dialoge, die ich sehr liebe:
Ich: „Mit wem hattest Du bei unserem Kunden das Gespräch?“
Lina (Name von der Redaktion geändert): „Mit ihm und mit ihr.“
Oder was wohl Barry (Name von der Redaktion geändert) sagt, wenn er hier liest, dass ich heute erfahren habe, dass er sich zu Beginn seines Studentenjobs von 13 Kolleginnen jeweils 4 Visitenkarten genommen hatte. Das ergab insgesamt 52 Karten. Je höher die Funktion, desto besser die Karte. Was er damit gemacht hat? Strip-Poker, was sonst!?

Sowas schreit doch nach Veröffentlichung.

 
Ihre
Tina Voß