Nachts im Büro

Ab und an aktivieren wir zu unserer Belustigung die Alarmanlage, wenn noch eine einzige fleißige Kollegin Überstunden macht. Sitzt das Opfer still am Schreibtisch, passiert nichts. Aber allein der Griff zum Telefon löst den Bewegungsmelder aus und das Ding jault bis die Ohren klingeln. Natürlich tut jeder so, als wäre das ein Versehen gewesen.

Nun informierte mich der Nachbar gegen 21.30 Uhr, dass unsere Anlage auf allen Kanälen jaulen und einen böswilligen Einbruch vermelden würde. Wir hatten keinen Schabernack mit Kollegen getrieben und es war für Überstunden auch eigentlich etwas spät. Derart alarmiert raste ein Auto von der Einbruchmeldezentrale zum Überfallort, aber gab keine Rückmeldung an mich. Geschult durch meine Leidenschaft für Serienkiller-Romane ließ ich meinen Gesprächspartner alleine im Restaurant beim Dessert sitzen und jagte auch los.

Alles war hell erleuchtet, aber kein Auto von der Meldezentrale stand da und die Tür war unverschlossen. Ich rief mit fester Stimme ein donnerndes „Hallo“, um meine Wehrhaftigkeit anzuzeigen. In Gruselschockern würde ich nun unbewaffnet weiter ins Haus eindringen und abgemurkst werden. Dem wollte ich vorbeugen und bewaffnete mich aus der Teeküche mit Tomaten- und Brotmesser. In der zweiten Etage sah ich einen Schatten. Zu seinem Glück trug er die Uniform der Wachfirma und ich ließ die Messer im Mantel verschwinden. Gemeinsam schlichen wir in das Nachbarbüro, um den Einbrecher niederzumetzeln, der den Bewegungsmelder ausgelöst hatte.

Beinahe hätten wir den Drucker erschlagen, der brav Bewerberanschreiben ausspuckte und damit die entscheidende Bewegung auslöste, die unsere Anlage so empörte. Die Kollegin im Home-Office darf auch weiter abends arbeiten. Sie darf nur nicht mehr drucken. Ich habe die Messer unauffällig in die Schublade zurück gelegt.

Liebe Grüße

Tina Voß