Mitbewohnerzentrale

Gesellig, freundlich zu Fremden und Verwandten, teilt gerne das Essen und Stress gibt es nur, wenn es um Sex geht. Klingt das nicht nach einem akzeptablen Mitbewohner? Im Grunde schon.

Wenn man bedenkt, dass besagter Bewohner keine zusätzlichen Nebenkosten produziert, zieht man schon fast den Mietvertrag aus der Tasche. Der Mitbewohner schläft nämlich im Rudel gestapelt und produziert mit Hilfe der Verwandten genug Wärme und Luftfeuchtigkeit. Licht mag er sowieso nicht und gegessen wird nur auswärts in guter Gesellschaft. Von daher ist es gar nicht nachzuvollziehen, dass das Lebewesen bei uns so wenig Freunde hat: die Kakerlake.

Sie braucht den sozialen Kontakt untereinander genauso notwendig wie wir Menschen. Kleiner Nachteil ist allenfalls, dass die Kakerlaken bei ausreichend Nahrung und einer angemessenen Insekten-Immobilie ihr Paarungsverhalten so sehr steigern, dass die Population schnell mal auf eine Millionenzahl anwächst. Das ist ein bisschen so, als wenn man einen Menschen beim Trampen mitnehmen will und dann, statt dessen Freunde, die Bewohner einer Kleinstadt aus dem Gebüsch hüpfen und auch mitfahren wollen.

Man kann eine Kakerlake ins All schießen, wochenlang Nahrung und Wasser entziehen oder in einer Vakuumkammer foltern. Sie übersteht alles unbeschadet.

Menschlich wird sie aber erst dadurch, dass auch sie keinen Atomkrieg überlebt und nicht mit Daniel Kübelböck in einem Glaskasten sein will. Auch Küchenschaben haben Grenzen.

Ihre

Tina Voß