Futterneid

Wieso sieht das Essen auf dem anderen Teller immer so viel leckerer aus? Nach sorgfältigem Studium der Menükarte entscheide ich mich für das bestmögliche Essen. Kaum wird’s mittels des Kellners geliefert, schiele ich zum anderen Teller und bereue meine Wahl umgehend.

Kurze Tauschanfragen inkl. Kostenübernahme führen meist nur zu einem Vortrag über Futterneid. Auch ein zuckersüßes „Darf ich denn wenigstens mal probieren?“ zieht wüste Drohungen über Gabelzinken in meinem Handrücken nach sich. Auch das Ordern von mehreren Flaschen Wasser, damit der Teller durch notwendige Toilettengänge mal unbeobachtet ist, klappt nicht mehr. Einzig beim Chinesen, wo das Essen auf heißen Platten in die Mitte gestellt wird, kann ich aufblühen. Dort ist es gelebte Praxis, dass man das Essen aller Platten probiert.

Falls Besuch beim Asiaten nicht angesagt ist, setze ich auf Schnelligkeit und Überrumplung. Feste gegen das Schienbein treten, Wein umkippen, mit der Gabel blitzschnell in das Zielgebiet stoßen und schon habe ich was vom feindlichen Teller. Futterneid kann auch Spaß machen.

 

Liebe Grüße

Tina Voß