Business Lunch

Versetzt werden ist furchtbar. Zuerst hockt man alleine im Restaurant und checkt ständig das Telefon, dann kommt der Kellner mit zwei Speisekarten.

„Darf es schon etwas sein?“

„Danke, aber ich warte noch auf jemanden.“

„Vielleicht was zu trinken?“

„Ja, ok. Eine Flasche stilles Wasser.“

Kurz danach schicke ich eine SMS „Ich bin schon da und sitze am Fenster. Freu mich!“

Damit ich nicht so gierig auf die Teller der umliegenden Tische starre, studiere ich die Karte und beobachte mein Telefon. Irgendwann klingelt es und am anderen Ende sagt jemand:

„Ist unser Mittagessen etwa heute?“

„Ja.“

„Ich bin in Mannheim.“

Ich lege auf. Weggehen kann ich aber nicht. Vor mir steht ein Liter stilles Wasser und andere Gäste würden merken, dass was schiefgelaufen ist. Sag ich jetzt, dass ich a) mich geirrt habe und doch nur mit mir selber verabredet war oder b) dass ich versetzt worden bin? Ich entscheide mich für c), sag nichts und bestelle. Würdevoll esse ich das Gericht mit der kürzesten Garzeit, kippe eine Tagesration stilles Wasser in mich und lasse mir nichts anmerken.  Der Kellner schien nichts bemerkt zu haben. Als ich um die Rechnung bitte, bekomme ich sie mit dem Betrag: null Euro.

Kellner: „Als Trost.“

Ich werde rot und werde meine Ex-Verabredung erwürgen.

 
Ihre
Tina Voß