Bernhard und Bianca

Mäuse sind im Grund ja possierliche Tierchen, zumindest wenn sie nicht im gleichen Haus wohnen. Im Carport zog mal wieder eine Mäusefamilie ein, die die Zwangsräumung des ersten Penthouses (ein in Eigenregie vom Mieter ausgebauter Drucker-Karton) wohl nicht ernst genommen hatte. Dieses Mal wurde die Räumung daher mit einer Inhaftierung eingeleitet. Statt der sog. Schlagfalle wählte der mit der Räumung beauftragte Mann eine Lebendfalle. Die muss man sich vorstellen wie eine Einzelzelle mit spontaner Türverriegelung, die zuklappt während der zukünftige Insasse beim Eintreten von Vorräten geblendet, alle Vorsicht vergisst.

Der Räumungsbeauftragte hatte das Projekt auch strategisch gut vorbereitet. Seitdem weiß auch ich, dass es Internetforen gibt, wo Menschen mit ähnlichen Projekten sich über die Vorlieben von Mäusen austauschen. Nun besitzen wir erstmalig Erdnussbutter. Nutella wird ebenfalls von Nagern heiß geliebt, fiel als Lockmittel aber leider aus, es sei denn, ich sollte in die Falle gehen.

Die Hersteller informierten im Beipackzettel, dass man die erfolgreich zugefallene Zelle durch Wegtragen in einen Gefangentransport umwandeln müsse und den Insassen zwei Kilometer von zu Hause beruhigt freilassen könne. Das führte beim Projektleiter zu weiten Spaziergängen. Beim ersten Mal trug er gemeinsam mit dem Hund eine leere Schachtel durch den Ort (Hut ab vor der schnellen Maus!), beim zweiten Mal einen kleinen Sarg. Die überwältigte Maus hatte von innen die gesamte Einrichtung weggenagt und war leider durch das viele Plastikinterieur verendet. Sie ist zumindest in gebührender Entfernung zum Tatort beerdigt worden. Der dritte Versuch brachte dann aber endlich eine der Familie entrissene Maus in fremdes Gebiet. Liebevoll trugen Mann und Hund ihre Beute zum Ortsrand und setzten sie aus.

Leider sprach sich bei den Mäusen nur herum, dass es bei uns Delikatessen gibt, aber nicht, dass sie danach in einem Reservat leben müssten. So kann aus der Umsiedlung ein Lebensprojekt mit Pendelverkehr werden. Vielleicht bringe ich doch mal Genickbruchfallen ins Gespräch?

Ihre

Tina Voß