Als wäre es gestern gewesen

Hatte ich nicht erst Geburtstag? Hatte ich nicht erst kürzlich Menschen zur Ankunft im neuen Jahr gratuliert? Was ist nur mit der Zeit los? Und wenn sie schon los ist, warum ist sie das so schnell?Die Hirnforschung erklärt das so: Wenn man jung ist (ungleich ich), dann erlebt man fast täglich etwas Neues und das Hirn wird mit Eindrücken befeuert. Sechs Wochen Sommerferien erscheinen endlos. Beim Älterwerden haben Gehirn und anhängender Mensch viele Situationen schon mal erlebt. Die alten Eindrücke werden nicht mehr durch neue überschrieben und somit verrinnt ein Jahr wie Schnee in der Sonne.Dagegen kann man sich wehren. Reißt man sich beispielsweise ganz langsam alle Fingernägel raus, wird die Zeit sogar gedehnt und erscheint sehr viel länger, als wenn man während des gleichen Zeitraums selbige Nägel mit Glitzerlack geschmückt hätte. Damit sich ein Jahr prall und lang anfühlt, braucht es starke emotionale Erlebnisse. Zahn ziehen ohne Betäubung, Brasilian Waxing der Bikinizone (aber ganz langsam) oder bei - 15 Grad im Schlüpfer rausgehen.Entweder versuche ich also, starke emotionale Erlebnisse in den Alltag einzubauen oder ich akzeptiere, dass ich im Alter von ca. 60 Jahren morgens nach dem Zähneputzen gleich im Schlafanzug bleibe, weil ich in gefühlten 10 Minuten ja sowieso wieder ins Bett gehen werde.

 

Ihre Tina Voß