Zugelaufen

Von Schlangen halte ich mich gerne fern, weil ich keine Ahnung habe, ob die giftig sind oder mich erwürgen könnten. Aber ich habe keine ausgewachsene Phobie, nur Respekt. Das geht mir bei Löwen und Panthern genauso.
Richtig eklig finde ich leider Spinnen. Je größer sie sind, desto hysterischer werde ich. Eine selbst entwickelte Desensibilisierungsstrategie mit Anstarren klappt nur für Sekunden, wenn die Spinne regungslos verharrt. Blinzelt sie, renne ich schreiend davon, schließe den Raum ab und stopfe Papier ins Schlüsselloch. Falls ich mal versehentlich eine Spinne einsauge, wohnt der Staubsauger den Rest des Quartals draußen.
ER saß gestern am Tisch, der Mops hockte vorm Fernseher und zwischen den Beiden saß eine monstergroße Spinne mit langen, haarigen Beinen.
Ich schrie: „IHHHHH! Da ist eine riesige Spinne! IHHHHH!“
ER blickte vom Essen (da lässt er sich nicht gerne stören) und vom iPad (da schon gar nicht) hoch und sagte: „Dann hol mal ein Küchentuch.“
Vermutlich wollte er daraus einen Knebel bauen und sie ersticken. Ich rannte kreischend in die Küche und wickelte eine solche Menge Küchentuch ab, dass wir problemlos den örtlichen Supermarkt damit verhüllen könnten.
Ich: „Die ist so groß, die hört bestimmt sogar auf einen eigenen Namen!! IHHHH!“
Er legte die Gabel hin, schaute unter den Tisch und erwiderte seelenruhig: „Stimmt. Hol lieber mal die Leine.“

Liebe Grüße

Tina Voß