Zu Fuß über die Alpen

Das Wandern von Oberstdorf nach Meran ist in vielerlei Hinsicht ein prägendes Erlebnis. Man kann das in Gesprächen lässig einfließen lassen und sich wohlig in der Anerkennung der anderen für diese körperliche Strapaze sonnen. Oder man erzählt wie es wirklich war und nimmt das Mitleid in Kauf.

Nach einigen Stunden Wandern mit der bunt zusammengewürfelten mir völlig fremden Truppe wusste ich wieso die Wanderführer eindringich vor den Trinken aus Bergflüssen gewarnt haben. Die bayerischen Opis strullen da bei jeder Pause einfach ungeniert rein während ich meine Apfelschorle trinken wollte!

Am Ende jeder anstrengenden Tagesetappe wartet eine Berghütte mit einer ursprünglichen Übernachtung auf die Wanderer. Doppelzimmer? Fehlanzeige. Matratzenlager für bis zu 80 Menschen mit einer Art Pferdedecke für jeden, die da seit Generationen im Abstand von 40 cm. liegen. Duschen und warmes Wasser findet der Wander-Profi total überflüssig und verweichlicht. Ich fand das nach der zweiten Übernachtung mit 80% älteren Männern auf keinen Fall. Alle ungeduscht und nahezu alle schnarchend. Der größte Fehler ist es, nachts den Raum zu verlassen und bei der Rückkehr tief einzuatmen. Wer da nicht in Tränen ausbricht, ist eine ganz harte Sau oder schwer erkältet und geruchslos.

Ich verkaufe diese Fernwanderung immer als meinen schönsten Urlaub und freue mich diebisch, wenn ein argloser Zuhörer mit dieser Wanderung als nächstens Reiseziel liebäugelt.

Ihre
Tina Voß