Zimmer frei

 

In unserer turbulenten Welt gibt es Rituale, z.B. in Freundschaften, die absolut verlässlich sind. Ich verreise leidenschaftlich gern mit meiner Freundin Cinderella (Name aus Datenschutzgründen geändert), die eine kleine Reihe liebenswerter Eigenheiten hat. Sie muss immer, egal, ob im Zelt oder im 5-Sterne-Luxus-Tempel, das Zimmer wechseln. Mal ist es zu klein, mal zu laut, zu warm, zu kalt, zu weit oben, zu weit unten usw. Beim letzten Mal brachte sie den über 70-jährigen bayrischen Hotelwirt zur Verzweiflung, da sie vehement behauptete, dass das Zimmer nicht den Standards der Dehoga entspräche. Sie beharrte auf einen Zollstock, um das erst mal alles selber zu vermessen. Der Hinweis, dass selbst ihr Hund daheim mehr Platz hätte, ließ den armen Mann die Hände über den Kopf zusammen schlagen, da sein Hotel komplett ausgebucht war. Als der zweite Teil unserer kleinen Reisegruppe im Hotel eintraf, wurden alle mit einem „Grüß Gott“ begrüßt, nur nicht die Schwester von Cinderella. Als sie nichtsahnend ihren Namen nannte, erwiderte die Tochter des Besitzers mit finsterer Miene: „Ihre Schwester ist bereits da und beschwert sich über das Zimmer.“ Ich brach vor Lachen direkt an der Rezeption zusammen und war glücklich, dass so vieles in meinem Leben vertraut und berechenbar war. Eine andere Freundin tauschte großherzig mit Cinderella und alle verlebten einen glücklichen und entspannten Urlaub.

Liebe Grüße

 

Ihre

Tina Voß