Wie bitte?

Kommunikation, Dialog, Gespräch. All diese Wörter sind wohlklingend in meinen Ohren. Ich mag auch gerne gemeinsam schweigen, wenn alles gesagt ist.Als Kind hatte ich schon das Gefühl, dass mein Geplapper nach einem aufregenden Schultag, also jeden Tag, für meine Mutter so eine Art Backgroundmusik war. Als würde man ein Radio im Hintergrund laufen lassen. Man war nicht alleine, irgendwer quakt vor sich hin, alles war gut. Sie gab zustimmende Brummlaute oder ein „Ach Kind, wie schön“ von sich, ich verstand das als Aufforderung, weiter zu berichten. Einige Jahre später, nun schon misstrauisch geworden, erzählte ich sehr detailliert, wie ich zuerst alle Lehrer gehäutet und dann die Schule angezündet hatte. Erst kam das zustimmende Gemurmel, und als ich kurz vorm Bericht über das Vierteilen des Rektors eine künstlerische Pause einlegte, kam ein: „Du bist so ein fleißiges Mädchen. Ich bin stolz auf dich.“
Geschichte wiederholt sich. Zuhause höre ich öfter ein „Ja“ oder ein „wenn du meinst…“. Nie passen die Aussagen oder Antworten zu meinem Gesagten.
Ich regte an: „Geh mal zum Arzt. Du bist taub.“
„Nein.“
„Wie nein? Na klar bist du taub!“
„Nein, gehe ich nicht.“
„Und warum nicht?“
„Ich weiß ja schon, dass ich taub bin. Auch ohne Arzt.“
Um einen Dialog vorzubereiten, hatte ich angefangen, durchs Haus zu brüllen. Die Gegenseite beobachtete das neue Verhalten und stellte vermutlich mit Sorge fest, dass meine Stimmbänder immer kräftiger wurden. Heute kam er rein, setzte mir neu erworbene riesige Kopfhörer auf und betätigte einen Knopf. Ich war taub. Jeglicher Schall von außen wurde absorbiert. So musste man sich im All fühlen. Völlige Lautlosigkeit. Das war beeindruckend. Aber er mochte ja auch Technik und sicher war die Musik brillanter, wenn man die Nebengeräusche ausblendete.
Etwas später wollte ich ein Gespräch und fing mit dem Brüllen an. Keine Reaktion. Ich brüllte lauter. Der Hund wachte auf und bellte. Sonst passierte nix. Verärgert schlich ich durchs Haus und fand einen Hinterkopf im Sessel. Mit Kopfhörern, die nirgendwo eingestöpselt waren. Die eine Hand ließ das Kabel mit dem Stecker triumphierend wie ein Lasso kreisen.
Wo war eigentlich der Insekten-Schröter? Ein Tennisschläger, den man mit einem Knopf unter Strom setzen konnte, um Fliegen zu verbrizzeln.

Ihre Tina Voß