Wenn Bälle nicht Bundesliga sind

Es ist eine gute Nachricht, wenn die Fußballsaison wieder los geht. Leider gilt das nicht für alle Saisons. Die aktuell anlaufende Ballsaison, die frau mit unpraktischen Fummeln und Sitzschuhen absolviert, lasse ich gerne aus. Es zieht von unten und auf den nackten Schultern ruht ein Jäckchen mit Ärmelchen bis zum Ellbogen oder eine Mini-Wolldecke mit Glitzerfäden. ER mag aber gerne auf Bälle gehen. Kein Wunder. ER putzt nur seine Schuhe und zieht einen Anzug  mit ein bisschen Glimmer an. Fertig ist die Gala-Uniform.

Von mir wird erwartet, dass ich aussehe wie ein Schlauch, Geschenk oder Sahne-Baiser. Auch in der Firma ernte ich mit meinem Unmut keinen Zuspruch.  Die meisten Kolleginnen quieken vor Vergnügen, wenn sie sich in eines der o.g. Dinge verwandeln können.  Da das Problem schon Jahre präsent ist, habe ich mir mal ein Ballkleid nähen lassen. Darin sehe ich aus wie Batman. Das finde ich schön. Die Kollegen murmeln beim Anblick Wörter wie: „… interessant … müsste man aber angezogen sehen …“

Also bin ich in ein Fachgeschäft gegangen und habe darauf hingewiesen, was ich alles nicht möchte. Als einziges Kleid blieb ein schwarzer bodenlanger Schlauch mit Falten über. Die sitzen allerdings so ungünstig über der Hüfte, dass ich aussehe wie eine Schlange, die eine zu große Ratte verschluckt hat, und bei der der Verdauungsprozess mittig zum Stillstand gekommen ist.

Als ich IHM drohte, entweder gar nicht oder als Batman mit zum Gala-Empfang zu kommen, blieb ER gelassen und sagte: „Zieh ruhig an. Ist ja auch Faschingszeit.“

 

Ihre Tina Voß