Wellness

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es ein prima Idee, für ein Wochenende in ein Wellnesshotel im Westharz abzutauchen, damit man den kommenden Feiertagen mit einem gelassenen Lächeln gegenüber treten kann.  

Ich schaffte es nur nicht, mich widerstandslos von einer Hannoveranerin in einen Harzer Frottee-Bomber zu verwandeln, der mit schlurfenden Schritten, da die Füße ja in Hotellatschen in Einheitsgröße 44 steckten, durch die Sauna- und Entspannungslandschaft von Anwendung zu Anwendung tapst. Wenn ich die Kapuze des Bademantels aufsetzte, sah ich aus wie Samson im Schlumpfkostüm oder einfach wie alle anderen. Ich hatte einen Verwöhntag gebucht und die örtliche Fachkraft schlug mir vor, dass sie mich komplett mit Schlamm einreibt, wir den Brei trocknen lassen und alles mit Regenwasser wieder abspülen. Ich war empört. Das hatte ich mit 7 Jahren zum letzten Mal gemacht und da war es völlig kostenlos.  Alternativ könnte ich den Dreck nur ins Gesicht bekommen und dafür in eine Thalasso- Packung eingewickelt werden. Das klang vielversprechend, ich  willigte ein und sie rührte dieses Mal einen grünlichen Brei an. Der Geruch trieb mir die Tränen in die Augen. Fischig und brackig wie direkt aus einem Hafenbecken waberten mir die Schwaden aus der Schale entgegen.  Als ich anfing zu würgen, schaute sie verständnislos und fragte, ob ich denn noch nie Thalasso- Anwendungen hatte. Die Kraft des Meeres würde meinen Körper um Jahre verjüngen.  Mir reichte es. Ich fragte lauernd nach, ob sie etwa finden würde, dass ich älter aussehe als ich wäre und was Hafenwasser daran ändern sollte. Wütend zog ich die Augenbrauen zusammen. Dabei bröckelte der getrocknete Schlamm von meinem Gesicht wie beim Reinbeißen die Schokolade von einem Magnum-Eis. 

Den Rest des Verwöhntages zog ich es vor, normal bekleidet mit einem Krimi im Ohrensessel in der Hotel-Lobby zu sitzen.  Vielleicht ist Wellness einfach nicht für jeden Menschentyp geeignet?

 

Liebe Grüße

Tina Voß