Wasser sparen

Die erlernten Verhaltensmuster der Kindheit begleiten uns meist ein Leben lang. Zähneknirschend verlasse ich das Bad, wenn der Wasserhahn beim Rasieren durchgehend läuft. Ich habe in frühester Jugend gelernt, dass man beim Zähneputzen einen Becher nimmt und wenn Männer sich rasieren, dann drehen sie bitte den Hahn nur dann auf, wenn sie den Rasierer ausspülen. Wartet man darauf, dass das laufende Wasser warm wird, stellt man eine Kanne drunter, um mit dem aufgefangenen Nass gleich auch die Blumen zu gießen.

Macht man all das nicht, ist man schuld, dass die Wüsten immer größer werden und dass Kinder in anderen Ländern hungern. Und wer will das schon. Um dem vorzubeugen, wurde in meiner Kindheit Regenwasser im Grundwasserbrunnen gesammelt, damit man damit den Garten wässern oder dreckverkrustete Kinderschuhe vom gröbsten Schmutz befreien konnte.

Mein Selbstversuch in der Emanzipation von Kindheitsglaubenssätzen gipfelte darin, dass ich im Sommer den Garten mit Trinkwasser goss. Zwar mit schlechtem Gewissen, aber ich hab es durchgehalten. Aber wehe, ich passe nicht auf. Dann sammele ich die Topfblumen im ganzen Haus, wuchte sie unter die Dusche und gieße alle mit dem noch nicht warmen Wasser. Das alte Wasser aus dem Hundenapf schütte ich draußen ins Kräuterbeet und während ich darauf warte, dass das Zahnputzwasser warm wird, schiebe ich schnell eine Kanne unter den Hahn. Die ist auch schon halb voll mit dem nicht verbrauchten abgekochten Nass aus dem Wasserkocher. Es ist herrlich mal einem Tag allen Zwängen auch nachzugeben und manisch Wasser aufzufangen.

Ihre

Tina Voß