Von Mäusen und Bibern

Mein wunderschöner Kaffee-Vollautomat aus der Schweiz lebt nun bei meiner Freundin. Ein chromglänzender Italiener lebt bei mir. Ich habe wirklich versucht, eine Hipster Siebträger-Traditions-Italien-Espresso-Trinkerin zu werden. Das ist mir auch geglückt, aber die Herstellung des Getränks macht mich fertig.Ich dekoriere die Küche  neu, weil ich den Siebträger nicht so fest wie ein Schleusentor bei Flut gezurrt habe. Ich habe Brandblasen an den Fingern, weil alles was glänzt, also außer dem ummantelten Griff des Siebträgers, glühend heiß ist. Das Schlimmste ist: das soll so sein. Schließlich werden die Tassen vorgewärmt und der Siebträger-Kollege auf Temperatur gebracht, damit er das frisch gemahlene Pulver warm ummantelt. Das Gerät ist, ich zitiere: ein empfindlicher in sich geschlossener Kreislauf, der durch Störungen von außen, ins Ungleichgewicht gerät. Ich wollte Koffein. Ich habe gestört. Auch nach dem gefühlt 100. Versuch, schmeckte der Kaffee, pardon der Espresso, nicht.Er: „Hast Du vorab einen Leerbezug gemacht?“Sie: „Was ist das?“Nächste Versuch, wieder Plörre. Sie, also ich, hat nach dem Leerbezug den Kaffee zu früh ins Sieb gefüllt. Er schaut, als hätte ich gestanden, das Klo mit seiner Zahnbürste zu reinigen.Er: „Du hast das gesamte Kaffeemehl (Mehl, nix Pulver!) verbrannt!“Sie: „Woran merke ich das?“Er: „Du merkst, dass es richtig ist, wenn der Espresso sich wie ein Mäuseschwänzchen ins Glas schlängelt.“Sie steht auf, schraubt das neue Glas Nescafé auf und gießt einen biberschwanzartigen Schwall Wasser drauf. Fertig.

 
Ihre
Tina Voß