Vom Druck des guten Wetters

Ich bin kein Fan vom Sommer, außer es ist schlechtes Wetter. Dann ist der einzige Unterschied zum Herbst, dass der Regen wärmer ist. Aber man bleibt trotzdem drinnen und kuschelt sich mit Kaffee, Buch und Mops aufs Sofa. Das mag ich.

Heute ist doofes Wetter, weil die Sonne scheint. ER ist begeistert und baut Liegestühle auf. Meinen stellt ER weit weg von seinem in den Schatten, weil ich Sonne doof finde. Murrend schlappe ich mit Zeitung und Kaffee nach draußen und lege mich auf die Liege. Im Schatten ist es eigentlich zu kalt zum Rumliegen. Was mache ich also hier? Der Mops liegt – unbeeindruckt von meinen Überlegungen - auf den von der Sonne gewärmten Steinen wie eine Eidechse und schnarcht.

Ein Käfer fällt auf meine Zeitung, dann will sie der Wind haben und zerrt dran rum. So kann ich nicht konzentriert lesen. Aber es ist Sommer, und ich beuge mich dem Druck des guten Wetters und versuche es weiter. Langsam fesselt mich der Text und ich blende das Draußen sein aus.

„Hör doch mal den nervigen Vogel“, sagt ER.

Über mir kreischt ein Singvogel-Hooligan wie ein Waschweib. Den hatte ich bis dahin nicht wahrgenommen. Jetzt schon. Und ich glaube, er schreit mich an, weil er findet, dass ich draußen nichts zu suchen habe. Ich ziehe wütend die Augenbrauen zusammen, während mich der Schreihals weiter aus seiner Deckung in der Tanne beschimpft. ER grinst zufrieden, weil ich jetzt auch genervt bin.

„Das klappt bei dir immer“, sagt ER.

Ich schnappe mir mein Equipment und gehe rein. Reicht für dieses Jahr mit Sommer. Der Herbst kann kommen. Drinnen mache ich die Jalousien runter und kuschele mich unter die Decke. Dann schlappt der Mops rein und springt aufs Sofa. Geht doch!

 

 

Ihre
Tina Voß