Unter Tage

In Berlin gibt es die interessantesten Läden. Praktischerweise bekommt man in einigen Etablissements  auch ein  Schnäpschen, in diesem Fall Honig-Ingwer, um den Verkaufsprozess anzukurbeln. Nur so ist es zu erklären, dass ich seit diesem Städtebesuch eine sehr eigentümliche Herrenhose besitze.

Eine herrlich verramschte, ausgewaschene  Jeans hing als Muster über einem Stapel gefalteter, dunkelblauer Plastikwannen in Hosenform. Der Inhaber klärte mich auf, dass er die Muster- Hose über vier Jahre jeden Tag getragen hätte und sie nun so aussehen würde. Ich hielt das für einen Scherz, weil ab und an sollte man(n) seine Kleidungsstücke ja auch mal durchs Wasser ziehen.

Denkste! Das Etikett wies eindringlich darauf hin, dass sie man vor Ablauf von 6 Monaten auf keinen Fall waschen möge. Neugierig probierte ich die Hose an, die in ihrer Beschaffenheit sehr an eine LKW-Plane erinnerte. Eigentlich bräuchte ich nur Rollschuhe unterschnallen und könnte anschließend Waren ausliefern. Dieser Gedanke übermannte mich nach dem 3. Honig-Ingwer-Schnaps und ich hielt das Konzept für brillant.

Beim Bezahlen bat mich der Ladenbesitzer, dass ich täglich die Unterwäsche wechseln sollte. Lächelnd reichte er mir dann noch ein Präsent zu meiner neuen Hose:  ein Grubenhandtuch und ein Stück Seife für untenrum.

Die Hose liegt ungetragen im Schrank. Ich habe Angst.

 

Liebe Grüße

Tina Voß