Über den Wolken

Ich liebe die Fahrt zum Flughafen, weil es in 70% aller Fälle an einen schönen Ort geht, wo man ein Wochenende verbringt oder sogar richtig Urlaub macht. Ich checke für mein Leben gerne ein und stelle dabei mein souveränes Viel-Flieger-Gesicht zur Schau, damit die Damen beim Check-In auch wissen, dass sie einen Flug-Profi vor sich haben, für die das Fliegen so normal ist wie Zähneputzen. Für all diese Tätigkeiten habe ich auch immer mindestens 3 Stunden Zeit, denn die Angst bei der 10-minütigen Fahrt in einen Stau oder einen Krieg zu geraten, ist bei mir so ausgeprägt, dass ich immer erst beim Betreten des Terminals erleichtert aufatme, weil der erste Teil der Reise geschafft ist. Noch nie war der Check-In bei meinem Eintreffen bereits geöffnet.

Der Gang durch die Sicherheitsschleuse ist toll, denn bei mir piepst es immer und seitdem ich mal ein Loch im Socken hatte, als ich meine Wanderschuhe ausziehen musste, trag ich immer neue bunte Socken, um das Herz der Security zu erfreuen. Mit ein bisschen Glück erhasche ich auch einen Blick auf den Monitor und staune über die ulkigen Gegenstände in meiner Tasche. Mittlerweile kaufe ich mir auch keine Tageszeitungen mehr, da es immer die waren, die ich 5 Minuten später im Flieger geschenkt bekomme.

Und dann kommt der Moment, wenn die Turbinen angeworfen werden und wir uns der Startbahn nähren, wo ich allerlei komische Geräusche feststelle und nicht sicher bin, ob nicht gleich irgendwo die Schrauben, durch das Geruckel selber raus fallen. Die Hände werden etwas nass und falls jemand so dumm war, sich neben mich zu setzen, zerquetsche ich panisch dessen Hand, falls sie versehentlich in Reichweite liegt. Dann kommt der Start, den ich hinter einer Zeitung verbissen ignoriere, und dann heben wir ab. Das Flugzeug steigt gefühlt senkrecht wie eine Rakete auf, wackelt wie der Teufel und biegt nach links oder rechts ab. Ab da bin ich sicher, dass wir runterfallen und beobachte mit Argusaugen die Stewardessen, ob sich Panik in deren Gesichter abzeichnet. Tut es natürlich nicht, denn die haben trainiert, dass sie bis zum Aufschlagen beim Absturz freundlich neutral lächeln. Die Hände sind jetzt klitschnass und das Ding durchfliegt scheppernd und wackelnd irgendwelche Luftschichten, die total friedlich aussehen, aber am Flugzeug zerren, wie eine Bulldogge am Hosenboden. Nach und nach wird’s ruhiger und ich kann die ersten zwei Sätze meiner Zeitung wieder geistig verarbeiten. Bis zur nächsten Schlechtwetterfront ... oder schlimmer noch ... der Landung!

Ihre
Tina Voß