The Day After

„Sei froh, jetzt ist das schlimmste überstanden“, tröstete mich eine Freundin nach dem Besuch beim Kieferchirurgen. Leider sah meine linke Wange so aus, als hätte ich den Arzt da drin versteckt. Und dann wurde alles blau, so als würde er von innen dagegen trommeln, weil er raus wollte.Kein Koffein, keine Milchprodukte und nicht an den Fäden rumspielen, lauteten die Hinweise auf dem Merkblatt. Das Dritte war machbar, aber kein Latte Macchiato? Ich besorgte mir koffeinfreien Instantkaffee mit Soja-Milch und spuckte die Mischung nach einer Sekunde wieder aus. Die Wunde war auch empört und fing sofort an zu bluten. Bei „sonstigen Störungen des Allgemeinbefinden oder Nachblutungen“ sollte man sich sofort melden. Ich wählte die Nummer und legte wieder auf. Vielleicht schaffte ich ja doch einen Tag ohne Kaffee. Ich mahlte mir feinstes Kaffeemehl und roch immer dran, in der Hoffnung, nicht auch noch Nasenbluten zu bekommen.Fasziniert stand ich vorm Spiegel und sah zu, wie von innen jemand die Wange immer weiter aufpumpte. Ich hoffte, dass das nicht ausleierte und ich danach wie eine einseitige Bulldogge aussah.Als ER dann abends schallend über meinen Anblick lachte, rächte ich mich damit, dass ich beim Hundespaziergang den mitfühlenden Nachbarn (ich ging extra kurz vor der Tagesschau, da gingen alle) mit wehleidiger Miene zu nuschelte: „Ist zu Hause passiert…“

Wenn ER das nächste Mal rausgeht, wird er sich wundern.

Ihre Tina Voß