Soll der Papa mal?

Ich möchte mich gerne gesund ernähren und bin bereit, Dinge mit Namen Agar-Agar und Alfalfa zu kaufen. Das einzige Problem dabei ist, dass ich in ein Reformhaus bzw. in der Neuzeit in einen Bio-Supermarkt gehen muss.

Vorurteilsfrei nähere ich mich dem Geschäft und erblicke: Liegefahrrad mit Kinderanhänger. Ich weiß jetzt schon, dass der Fahrer dieses durch und durch entwürdigenden Gefährtes drinnen eines der Kinder vor den Bauch geschnallt hat, einen Kristall-Deo benutzt und Trekkingsandalen trägt. Niemals sieht man Frauen auf diesen Geräten.

Mit meiner Agar-Agar-Amaranth-Kaufliste suche ich die Gänge ab und treffe auf den Besitzer des Liegefahrrads. Immerhin hat er das Kind nicht vorm Bauch. Es wackelt eigenständig durch den Laden und saugt an einem Plastikschnuller (gibt’s die nicht aus Kreide oder Hanf?).

„Soll der Papa mal bezahlen gehen?“

Kind schüttelt energisch den Kopf. Ist noch zu klein, um zu sprechen.

„Soll der Papa mal bezahlen gehen?“

Kind schüttelt Kopf. Ich suche nach Wurfgeschossen. Gepuffter Amaranth taugt dafür nicht. Da kann ich auch ein Hanf-Bällchen schmeißen.

„Der Papa MUSS aber bezahlen.“

Kind bohrt seinen Finger in den Deckel eines Soja-Joghurts, natur ohne Aromastoffe.

Papa greift nach dem Kinderarm und zerrt es weg. Ich stelle mein Wurfgeschoss, den Rotbäckchensaft, zurück. Ich habe eine neue Mission, greife den kaputten Soja-Joghurt und renne ökologischem Vater samt schreiendem Kind hinterher zur Schlange an der Kasse.

„Das MUSS der Papa aber bezahlen!“

 
Ihre
Tina Voß