Sind Sie alt

Bisher dachte ich immer, dass ich so alt bin, wie ich mich fühle. Aber das alleine beinhaltet schon eine Bandbreite von 17 bis 60 Jahre. Ersteres bin ich, wenn ein bekannter Rockstar nach seinem Auftritt von der Bühne kommt und mich persönlich begrüßt. Letzteres bin ich nach einem Wodka-Gelage, wenn ich zur Bestrafung für die Entgleisung am anderen Morgen zu einem persönlichen Büßer-Lauf aufbreche.

Mein gefühlter Maßstab bekam neulich bereits einen Knick. Meine Kollegin Conny und ich lachen uns gerne über alte RTL-Samstag-Nacht-Sketche scheckig. Neuerdings bleibt uns das Lachen auf halber Strecke im Schlund stecken. Die überwiegende Anzahl unserer Kolleginnen, die uns beim gemeinsamen Frühstück zuhörten, fragten nämlich irritiert, was denn überhaupt RTL-Samstag-Nacht wäre. Das waren die gleichen die denken, dass Tina Turner ein persönlicher Spitzname von mir wäre. Einen Song von der haben sie noch nie aus dem iTunes-Store runtergeladen.

Der ultimative Alters-Maßstab ist aber die Frage, ob man eine Uhr trägt. Die Generation unter 30 hat nackige Handgelenke. Wenn man den ganzen Tag auf Facebook unterwegs ist und das Wetter nur von seiner App kennt, braucht man keinen analogen Armschmuck. Man schaut einfach auf das Gerät, das man grad in der ungeschmückten Hand hält (sofern es nicht die elektrische Ultraschall-Zahnbürste ist) und gut.

Seit über 40 Jahren schaue ich aber auf mein Handgelenk, wenn mich die Uhrzeit interessiert. Ich surfe mal im Web, ob es für meinen Blackberry einen Arm-Adapter mit Klettverschluss gibt und drücke mich so ein paar Jahre nach unten.

Ihre Tina Voß