Schönheit kommt von innen und bleibt da

Eine meiner Freundinnen hat ein kleines Kosmetikstudio auf dem Dorf. Seit vielen Jahren fahre ich alle paar Monate zu ihr. Ich buche eine Behandlung und kaufe allerlei Tiegel mit Cremes, die  mich mit aktiven Zellkomplexen durch die Nacht bringen. Dazu irgendwas mit Vitaminen, das die Haut in meinem Gesicht an der richtigen Stelle hält und mich über den Tag rettet.

Für viele Frauen ist eine kosmetische Behandlung auch noch pure Erholung. Bei mir werden schmerzhaft die Augenbrauen in Form gerupft, im Gesicht rum gedrückt und anders Ungemach veranstaltet. Danach kriege ich eine Beruhigungsmaske aufs Gesicht gepinselt und eine liebevolle Massage, damit ich die Qualen schnell vergesse. Danach behauptet meine Freundin, dass ich um Jahre jünger aussehe. Früher war ich demnach um die fünfzehn Jahre alt. Jetzt höchstens Mitte dreißig. Aus purer Erleichterung die Folter überlebt zu haben, strahle ich tatsächliche wie neugeboren.

ER sieht normalerweise nichts davon. Wenn ich mir einen lila Irokesen färben lassen würde, wäre er beim Hochgucken vielleicht kurz verwundert und würde mich fragen, ob ich eine neue Brille hätte oder ob wir in der Wohnung was umgeräumt haben. Irgendwas wäre anders. Da unterscheidet er sich in seiner Wahrnehmung in nichts von anderen Männern.  

Nun kommt ER nach Hause und sagt nach dreißig Sekunden: „Warst du bei der Kosmetik?“

ICH: „WAS?? Das siehst du????“

Ich blinzele und zaubere auf mein gefoltertes und hoffentlich jüngeres Gesicht ein Lächeln. Wahnsinn, denke ich. Nach so vielen Jahren fällt ihm das ganz von alleine auf.

ER: „Klar. Das ganze Zeug steht doch auf der Treppe.“

 

Ihre Tina Voß