Schmal gesprochen

Affen lausen sich, in Gemeinschaft lebende Insekten haben eine „Geruchsuniform“ für ihre Zugehörigkeit und Menschen machen Smalltalk. Alle Lebewesen vergewissern sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihres sozialen Umfeldes.

Während Primaten nicht erwarten, dass sie von den Schädlingen aus dem Pelz ihres Nachbarn satt werden, erwarten Menschen auf Smalltalk-Fragen auch keine sinnhaften Antworten.

Wer antwortet schon auf die Frage: „Na, wie geht’s?“ mit einer ehrlichen Antwort, die ja dann lauten könnte: „Mir geht’s schlecht, sehr schlecht. Ich hatte in diesem Jahr noch keinen Sex und wir haben schon August. Dazu habe ich vor kurzem eine komische Fistel an der Pobacke entdeckt. Kennen Sie sich vielleicht mit sowas aus? Dann würde ich Ihnen das gerne mal zeigen. Dummerweise hat mich meine Frau letzte Woche verlassen. Das ist an sich verkraftbar, aber sie hat den Hund mitgenommen. Und wie läufts bei Ihnen so?“

Diese Art der Antwort hat den Charme, dass man sich vermutlich den restlichen Abend über das Gesicht des perplexen Fragestellers amüsieren könnte.

Weitere beliebte Smalltalk-Themen sind das Wetter oder die Anfahrt zur Veranstaltung.

„Ist das nicht ein schreckliches Wetter draußen?“

„Was spielt das für eine Rolle? Wir sind DRINNEN!“

oder..

„Wie läuft das Geschäft?“

„Ganz furchtbar. Ich nehme solche Einladungen nur noch an, um ins Warme zu kommen und um mindestens einmal am Tag eine Mahlzeit zu haben.“

Aber bevor man in der verbliebenen Haarpracht des Veranstalters nach Insekten sucht oder versucht, so zu riechen wie große Teile der Gäste, die am Ende eines harten Arbeitstages stehen, antwortet man artig, dass es einem gut geht, dass das Wetter schrecklich ist und die Anreise zur Hauptverkehrszeit ein Quell immerwährender Freude war. Wir sind soziale Wesen und wollen am Ende des Tages alle gemocht werden.

Ihre
Tina Voß