Schlüsselerlebnisse

Wenn es draußen friert, verweigert mein Briefkasten ab und an seinen Dienst und gibt die Zeitungen nicht mehr her. Bei meiner laienhaften Reparatur habe ich ihn zerstört und versuchte über Google einen Schlüsseldienst zu finden.

Ein in der Region Hannover ansässiger Dienst wurde auch tagsüber auf eine Notrufnummer umgeleitet. Dort wies ich freundlich auf sehr schlechte Internetbeurteilungen hin, die der Firma Abzocke vorwarfen. Das wären alles nur neidische Konkurrenten, die böse Beurteilungen hinterlegten. Da war ich erleichtert und erkundigte mich nach dem Kostenrahmen. Das wäre immer unterschiedlich. Davon war er auch nicht abzubringen, als ich anmerkte, dass mein Haus sich nicht von der Stelle bewegen würde bis der Schlosser da wäre und mein Schloss keine Justizvollzugsanstalt-Schließanlage wäre, sondern nur ein Briefkasten. Der Herr am Telefon wurde ärgerlich und fand es unverschämt, dass ich handeln wollte. Wollte ich gar nicht. Ich hätte nur gerne erfahren, ob ich 5 oder 5.000 Euro bezahlen sollte. Ich fand es nicht heraus, weil er auflegte und bei Google eine tolle Beurteilung über sich selber schrieb.

Der nächste regionale Anbieter versicherte zwar, in Hannover zu sein, aber wenn ich nicht persönlich vor Ort unterschreiben würde, könnten sie nichts machen. Per Fax vorab, Vorauskasse usw. hat die Dame auch nach halbstündiger Rücksprache mit dem Chef abgelehnt.

Der dritte Dienst war freundlich, erkundigte sich nach dem Hersteller meines Briefkastens und wollte einfach hinfahren und das Schloss tauschen. Ich war etwas ängstlich, ob das vielleicht nur eine Spaßnummer war und nun alle am Ende der Leitung lachen, weil ich annehmen würde, dass das so einfach funktionieren würde. Anrufen, austauschen, bezahlen … was ich mir wohl einbilden würde.

Ihre
Tina Voß