Saisoneröffnung

Neuer Sommer, neuer Grill? Aus Sicht von IHM muss das so sein. Wenn die Firma Weber mal zum Saisonstart keine Innovationen wie „Hausgrillen von ganzen Ferkeln mit Propangas“ an den Start bringt, wird ein Koch- pardon ein Grillbuch gekauft. Das Wort Buch wird der Strahlkraft des Werkes auch nicht gerecht. Das braucht in der Männerwelt andere Dimensionen. Natürlich ist es eine GrillBIBEL. ER erwägt die Zeitung „Beef“ im günstigen Abo zusätzlich zu erwerben. Als Werbeprämie gibt es den kleinen Akkuschrauber für unterwegs. Wenn man in der Stadt mal irgendwo eine Spaxschraube reindübeln will, hat man alles am Mann. Die Bibel liegt jetzt vor mir. ER denkt, dass ich seinen Hinweis: „Guck mal! Eingelegter ganzer Truthahn in kräuterwürziger Bratensauce, toll oder?“ ernst genommen habe und nun das Rezept studiere. Falsch! Ich will nur beim Schreiben die richtigen Bezeichnungen verwenden. Alleine das Truthahn-Rezept zieht ausufernde Folgekosten nach sich. Wir müssten eine Kühlkammer anschaffen. So eine kopflose Leiche passt in keine Gefriertruhe. Bei Sätzen wie „vom T. den Hals entfernen, die Innereien herausnehmen und überschüssiges Fett abschneiden“ fühle ich mich an einen Splatter-Roman erinnert. Wenn die Erklärung folgt, „sie (also die abgeschnittenen Körperteile - Anm. d. Red.) werden am nächsten Tag für den Fond verwendet“, wird mir übel. Vielleicht liest es sich hinten im Rezept weniger martialisch? Ich blättere die drei (!) Seiten des Truthahn-Gemetzels bis zum Ende und lese: „Den Truthahn vorsichtig kippen, um den in der Bauchhöhle angesammelten Fleischsaft in die Aluschale ablaufen zu lassen.“ Das ist ja ekelhaft! Bei mir läuft weder Spucke noch Fleischsaft im Mund zusammen. Ich fragte: „Warum hast du nicht mal was über Gemüse grillen gekauft?“
ER: „Da haben sie nur solche totalen Basics wie Tabouleh oder Auberginen Kaviar mit Pitabrot erklärt. Dafür braucht man kein extra Kochbuch.“


Ihre Tina Voß