Sachthemen im Arbeitsalltag

„Emotionen im Fußball lehne ich ab“, sagte mal der Präsident eines Profi-Vereins aus dem nördlichen Raum. In vielen Fällen wäre das auch sicher angebracht, denn es handelt sich auch im Sport oftmals um Sachthemen. Elfmeter, Einwurf oder Freistoß werden meist von beiden spielenden Parteien für sich beansprucht. Jeder der Spieler hebt den Arm, um anzuzeigen, dass der Einwurf bitte schön für die eigene Mannschaft gelten soll oder Rüpel, die mit einer Blutgrätsche den Gegner ausgeknockt haben, heben beide Arme inklusive Schultern, um zu signalisieren, dass sie mit dem sich am Boden wälzenden gegnerischen Spieler nichts, aber auch gar nichts, zu tun haben. Was folgt sind Pfiffe des Publikums, schreiende Trainer, die ihre Mützen in den Dreck werfen und drauf rum trampeln, und schubsende Spieler. Übertragen wir das Verhalten jedoch auf andere Berufe, die unter Publikum ausgeübt werden, ergeben sich ganz andere Gesetzmäßigkeiten. In einer Gerichtsverhandlung trampeln die Anwälte nicht vor Ärger auf ihrer Robe herum, das Publikum fordert auch nicht lautstark die Auswechslung des Angeklagten und der Richter wird meist nicht mit Schmähgesängen des angetrunkenen Auditoriums Parteilichkeit unterstellt. Ich vermute, dass es daran liegt, dass Gerichte nicht am Wochenende arbeiten und der Zuschauerkreis kleiner ist.

 

Ihre Tina Voß