Raubkopierer

Früher lief vorm Start von Kinofilmen abschreckende Werbung, wo böse Raubkopierer zu langen Gefängnisstrafen verurteilt wurden und ihre Kinder zum Geburtstag zu den Gitterstäben hinauf winkten. Heute ist der Spot Realität, sogar Kim Schmitz musste seine 200 kg auf die andere Seite der Stäbe wuchten.

Bei den Chinesen ist Kopieren allerdings ein Teil der Kultur. Das ist vergleichbar wie bei uns das Anschauen vom Musikantenstadl. Dafür würde man bei uns auch nicht bestraft oder sanktioniert werden. Wir alle kopieren irgendwas. Wenn Prinzessin Kate ein H&M-Kleid trägt, ist das noch in der Nacht online ausverkauft. Wenn D&G ein neues Teil in seiner Kollektion vorstellt, kann man das mitsamt des Labels Wochen später auffallend günstig aus dem Türkei-Urlaub mit nach Hause bringen.

Bei uns ist das mit unserer alten Homepage passiert. Ein Marktbegleiter übernahm das gesamte Design einschließlich der durchlaufenden Kopfleiste, die an bewegte Ziele in einer Jahrmarkt-Schießbude erinnerten. Ich habe daher zum Zeitvertreib die Mitarbeiter vom Wettbewerb gelegentlich mit Papierkügelchen beschossen. In der Politik werden Kopiervorgänge hart sanktioniert. Nicht ausgelastete Internet-User suchen nach Plagiaten, veröffentlichen ihre Ergebnisse und Stellen werden für nachrückende Kollegen frei. Wir haben allerdings keinen „VossiPlag“ gegründet, wir sind großzügig und freuen uns über die höchste Form der Anerkennung: kopieren.

Ihre Tina Voß