Kennen Sie Powerpoint-Karaoke?

Wehmütig denke ich an die Zeit zurück als Lehrer mit schwitzenden Handballen und quietschenden Stiften mathematische Unverständlichkeiten auf einen Overhead-Projektor schrieben und die Lösung mit einem weißen Blatt Papier vor Schüleraugen verbargen. Heute sitze ich, erschlagen von Folien, in Powerpoint-Präsentationen, wo die Schrift von rechts oben mit einem Funkmausklick reinsaust oder falls die Schrift ihr Erscheinen verweigert, beobachte ich den schwitzenden Redner, der leider feststellen muss, dass die Batterie des Pointers alle ist und er nun jeden Effekt mit der Enter-Taste hektisch erzeugen muss und dabei gerne mal 6 Folien zu weit springt und panisch die Zurück-Taste sucht.

Überladene Folien, alberne Gestaltung, unverständliche Grafiken haben vor einiger Zeit die Zentrale Intelligenzagentur aus Berlin veranlasst, das Powerpoint-Karaoke zu erfinden. Der Ablauf ist in etwa so:

Laden Sie sich einige eigenwillige dilettantische Präsentationen aus dem Internet herunter und laden ein paar Freunde und einen Kasten Bier ein. Dann wird der Vortragende gelost, eine willkürliche unbekannte PPT ausgewählt und anhand der ersten Folie muss der Redner sich für ein Thema entscheiden und anhand der nun folgenden Folien sein gewähltes Thema bis zum Ende durchziehen. Wenn der Redner denkt, dass bei „Unser Weg in die Zukunft“ der Weg aus der Wirtschaftskrise gemeint ist aber auf der 2. Seite deutlich wird, dass es um die „neuen Unfallverhütungsvorschriften der ehrenamtlichen Feuerwehr“ geht oder um das „Gesetz zur Abschaffung herkömmlicher Glühbirnen“ wird’s für alle ein großes Vergnügen. Ich plane grad mit ein paar Mutigen meinen ersten Powerpoint-Karaoke-Abend!

Ihre

Tina Voß