Olympischer Gedanke

Von wegen olympischer Gedanke!

 

Um gute Ideen im Unternehmen zu sammeln, haben wir ein Ideenmanagement eingerichtet. Was im Übrigen viel besser klingt, als der in der Automobilindustrie so beliebte „kontinuierliche Verbesserungsprozess“ (KVP). Über diesen Weg hat uns Gabi geleimt. Sie hat vorgeschlagen, dass wir bei sowas lustig klingendem mitmachen wie dem „Team-Challenge-Lauf“. Wir designen uns eigene T-Shirts und zockeln gemütlich mit unseren Kollegen 4 km durch den Georgengarten. Kaffeeklatsch mit Vorwärts-Bewegung quasi. Soweit die Idee.

Jeder hat seine Wunschgröße bei der Kleidung angegeben und wir haben uns auf ein Motiv geeinigt. Die wenigsten von uns tragen im Alltag bauchfrei – jetzt schon. Ich bin mittelalt, mittelgroß, mittelschwer und habe demzufolge „M“ als Konfektionsgröße angegeben. An den Schultern passt es, der Bauchbereich wurde seitens des Stoffes großzügig weggelassen. Die ordentlichen Kolleginnen, die das T-Shirt gewaschen haben, haben sogar zwei Größen eingebüßt. Es ist jetzt eher ein Bustier, also ein BH mit extra Stoff.

Eine leichtsinnige Kollegin hat sich mal die Einlaufzeiten der Vorjahre angeschaut. Hach! Da läuft niemand aus Teamgedanken mit. Knallharter Wettbewerb! Einige von uns fahren langsamer Auto, als der Gewinner des Laufes rennen kann. In einer Notsitzung haben wir uns einen Plan B zurechtgelegt. Wir haben einige Kollegen-Kinder eingespannt, um schon mal zu sagen, dass wir nur so langsam laufen, damit die Kids nicht frustriert sind.

Nun ist eines der Kinder ein Halbprofi im Rennradfahren, sie kam unter die ersten Zehn bei einer deutschen U17-Meisterschaft, und der andere hat gestern seine Mutter bei einer Maschseerunde abgehängt. Der kleine Mann ist erst neun Jahre alt. Die Beiden werden sich beim Veranstalter am Ende für uns entschuldigen. Sie hätten schneller gekonnt, aber bei der Mannschaft…

 

Ihre Tina Voß