Objektliebe

In der Tierwelt sind Schwäne dafür bekannt, dass sie sich artfremd in eigenwillige Objekte, zum Beispiel einen blauen Trecker, verlieben. In der Humanbiologie ist das ebenfalls ein weit verbreitetes Phänomen. Wie ist sonst die Zuneigung eines erwachsenen Mannes zu einem Auto (wahlweise Audi TT, Porsche 911 oder andere Testosteron-Marke) zu erklären?

Bevor man(n) sein innig geliebtes Vehikel mit auf die Straße nimmt, wird zum Beispiel der Wetterbericht kurz gecheckt. Ist das richtige Wachs auf dem Lack, um selbigen vor toxischen Regentropfen zu schützen?

Beifahrern rate ich zur persönlichen Erheiterung zu Schuhen mit einer Profilsohle, die am besten vorher ein paar schlammige Wegstücke hinter sich gebracht haben. Im Fußraum ein bisschen mit den Füßen vor und zurück schaben und schon sind die Bröckchen ordentlich in die Auslegware eingearbeitet. Auf den schlammigen Wegstücken hatte man am besten einen kleinen Rollkoffer dabei und wuchtet diesen dann beherzt in den Kofferraum (Porsche vorn, TT hinten), nicht ohne vorher das Blätterteigteilchen heraus genommen zu haben. Das kommt natürlich mit auf den Beifahrersitz, weil Blätterteig sich ohne Anstrengung in der Fahrgastzelle verteilen lässt. Beim Einsteigen auf jeden Fall die Scheibe, nicht den Griff, anfassen. So ist der Beweis der Anwesenheit länger in Form von fettigen Kuchenfingern sichtbar. An dieser Stelle bekommt der Fahrer für gewöhnlich Schnappatmung. Wichtig ist nun, dem Fahrer zu versichern, dass man beim Essen wirklich aufpassen würde und nicht krümelt. Dabei kann man prima mit dem Teilchen rumfuchteln. Dann ist der Streukreis schön gleichmäßig.

Ist der Fahrer noch beherrscht genug, um a) das Ziel unfallfrei anzusteuern und b) niemanden auf der Autobahn auszusetzen, dann ist die Ausprägung der Objektliebe noch in einen vertretbarem Rahmen.

Ob er wohl das nächste Mal das Auto mit Folie auslegt?

Ihre

 Tina Voß