Neumodisches Zeug

Sportgeräte verändern sich mit den Jahren. Skier sehen nicht mehr aus wie Dachlatten, sondern haben eher die taillierte Form von Barbie ohne Kopf. Und damit Skistöcker nicht nur ein Saisonartikel sind, haben die Hersteller es geschafft, eine Sportart im Wortsinn auf die Beine zu stellen, bei der man mit modifizierten Skistöckern durch den Wald klappert – gelenkschonend selbstverständlich und damit rentnertauglich in einer alternden Gesellschaft.
Seit Jahren besitze ich zwei Deko-Elemente, sehen aus wie silberne Brüste mit überdimensionierten Brustwarzen, die ausgesprochen hübsch neben dem Fernseher stehen. Eigentlich sind das aber Liegestützhilfen. Man (n) umklammert die Brustwarzen, und während man in den Liegestütz geht, dreht sich der Rest wie der Frischepavillon von Tupperware sanft nach außen – gelenkschonend selbstverständlich.
Nun bin ich seit wenigen Tagen Besitzerin einer Slackline. Das ist eine Art überdimensionierter Spanngurt, den man zwischen zwei Bäumen festzurrt, um dann ausgesprochen unelegant versucht, darauf zu balancieren. Alleine das Entern der Slackline soll Wochen in Anspruch nehmen, ohne dass man auch nur einen Schritt auf ihr balanciert ist.
Meine Kollegin Ulrike hatte auch mal eine Slackline. Als der Nachbar ein Abschleppseil brauchte, wunderte er sich, warum selbiges zwischen zwei Bäumen aufbewahrt wurde. Kurzerhand entfernte er es, knotete es an einen feststeckenden Trecker und zog ihn mit einem Unimog aus dem Schlamm. Als die Kinder weinend ihr Sportgerät suchten und es am Trecker fanden, war der Bauer fassungslos, als er erfuhr, was das ist und dass es nicht aus einem Baumarkt stammte. Kopfschüttelnd friemelte er mehrere Tage lang die Knoten aus dem vermeintlichen Spanngurt und murmelte: „So ein neumodisches Zeug.“

 
Ihre
Tina Voß