Netzabhängig

Eines der traumatischsten Weihnachtsgeschenke meiner Kindheit war ein zitronengelber Frisierumhang aus Vollplastik mit dem Hinweis der schenkenden Oma: „Damit du dir mal was ausbürsten kannst…“

Igitt! Was soll das sein? Und warum kann es im Laufe eines Tages nicht alleine runter krabbeln oder fallen? Geschützt durch Omas Haarnetz übern Dutt waren die Objekte damals schlicht gefangen. Alle ein bis zwei Wochen wurde das Netz aufgeknüpft, ein Frisierumhang auf die Schultern gelegt und dann wurde gebürstet. Für ein Kind mit Hygienefimmel war die Vorstellung genauso angenehm wie ein Gülle-Bad.

Nun bat ich in der Jetztzeit meinen Friseur um Vorschläge wie ich mein widerborstiges Haupthaar in eine Frisur pressen könnte. Mann und ein Eimer voller Haarklemmen kämpften verbissen. Eine Frisur kam nicht dabei heraus. Es sah eher aus wie etwas, das die Katze mit hereingebracht hat.

Genervt holte der Coiffeur das Alcatraz der Zotteln aus der Schublade: Ein Haarnetz! Derart gefangen ließ sich der Ponyschweif in alle Richtungen tackern und fertig war die gewünschte Frisur: Ein Dutt im Haarnetz. Ausgerechnet! Ich sah aus wie Oma Martha. Es gibt nur noch eine offene Frage: Wo ist eigentlich der gelbe Frisierumhang?

 

Ihre Tina Voß