Mops-Gesänge

Möpse mögen keine Arien. Das weiß ich genau, seit ich mal mitsamt Hund vorm Fernseher einschlief und irgendwann im Folgeprogramm eine Opern-Diva ihre Arie schmetterte. Ruckartig ging der Mopskopf hoch, legte sich abwechselnd nach rechts und links schief bis der gesamte Mops in höchster Erregung aufsprang und zum Fernseher rannte.

Er stand zitternd davor, holte tief Luft, warf den Kopf in den Stiernacken und jaulte das gesamte Lied im Rahmen seiner Möglichkeiten mit. Mir stand vor Staunen der Mund offen. Der Mops unterbrach seine persönliche Darbietung alle paar Sekunden, um mit besorgtem Gesicht zum TV-Gerät zu schauen. Hektisch rannte er dann hinter den Fernseher, zur Tür, zurück und das alles mit einem tiefen Jaulen und rollenden Augen. Lied vorbei, Spuk vorbei. Der Gesangs-Mops ölte seine Stimmbänder danach mit Wasser aus dem Napf und ging angespannt auf Patrouille durch das Haus.

Interessiert fragte ich eine Hundetrainerin, was das Problem des Tieres sein könnte. Mit tadelndem Blick erklärte sie mir, dass der Ton aus dem klassischen Gesang dem ähnlich ist, in dem ein vom Rudel getrenntes Wolfsjunges heult. Damit es wieder zurück findet, antwortet das Rudel in der gleichen Tonlage. Armer Mops-Wolf! Er wollte nur einem Familienmitglied ohne Orientierung den Weg zurück in unser heimisches Wohnzimmer weisen und hat danach durch seine Rundgänge die möglichen Eingänge überprüft. Ich höre nie wieder Arien – versprochen.

Ihre
Tina Voß