Mittagspause

Auf besondere Empfehlung meiner Freundin Cinderella habe ich mich mit Begleitung kürzlich in ein Öko-Café gewagt und schon beim Eintritt in die Lokalität einräumen müssen, dass es mein erster Besuch sei. So glotzten die ökologischen Gäste uns leider auch an.

Stillende Mütter kann ich entspannt aushalten. Es kam mir nur leider gar nicht komisch vor, dass zu den geparkten Rädern mit Kinderaufbewahrungsanhängern zusätzlich eine ungewöhnliche Häufung an Liegerädern mit Wimpel vor der Tür parkten. Diese Wimpel sind überlebenswichtig, damit die in Dackelhöhe dahingleitenden Väter (ich kenne keine einzige Frau auf einem Liegerad!) von Verkehrsteilnehmern gesehen werden, die größer als 80 cm sind. Aber sie machen aus Männern auch irgendwie Kriechtiere. Die bunten Fahnen sollte man mitsamt den Stützrädern als Sechsjähriger überwunden haben.

Wenn nun die her geradelten Mütter stillen und die beisitzenden Väter über die Vorzüge des Stillens reden und dabei mit den nackten (gelben!) Zehennägeln in den Trekkingsandalan wackeln, hat das durchaus Unterhaltungswert. Das war auch wichtig, denn die ökologische Bedienung achtet auf ihre Work-Life-Balance und brauchte zwischen Karte bringen, Getränkebestellung aufnehmen, Getränke bringen usw. immer zehn Minuten Erholung. So konnten wir den Argumenten der Still-Väter länger als geplant lauschen. Leider merkten sie irgendwann, dass wir Tränen lachten und flüsterten ab da nur noch.

Als dann gefühlt bei Einbruch der Dunkelheit das Mittagessen kam, wir lasen zwischendurch aus Langeweile die Prospekte über Öko-Baumwolle und vegetarische Kochkurse, wussten wir beide am nächsten Tag, dass ein ahnungsloser Körper gut auf einen niemals vorher gegessener Frischkorngetreidebrei vorbereitet sein will.

Wir sind demnächst wieder zum Essen verabredet, auf eine Currywurst mit Pommes rot/weiß. Damit kennen sich unsere Körper aus.

IhreTina Voß