Meiner Schwester wäre das nicht passiert

Auf dem Rückweg aus Österreich war ich begeistert, dass wir eine IC-Verbindung mit nur einem Zugwechsel gefunden hatten und uns acht Stunden dösend, essend und lesend nach Hause schaukeln lassen konnten.
Essend? Wohl kaum. Der Zug hatte überraschend keinen Speisewagen und nur einen kleinen kugeligen Snack-Verkäufer, der in einem 1.-Klasse-Abteil mitsamt seinem Trolley hockte und auf Kundschaft wartete. Chips, Snickers, Mars und Kaffee war im groben seine Auswahl, die ich tapfer einmal durchgegessen habe. Ich hätte Unsummen für ein Mettwurstbrötchen bezahlt. So schlenderte ich wie ein hungriger Wolf durch den Zug und schielte auf die Tüten mit Backwaren der Reisenden. Die wollten mir aber nichts verkaufen. Auf der Reise habe ich auch gelernt, dass Bringdienste in Würzburg, Fulda und Kassel ihre Pizzen und Tortellini nur an feste Adressen liefern - auf keinen Fall an durchgeknallte Reisende, die im Bahnhof eine Lieferung an Wagen 19 erbeten. Schlägt man denen doppelte Bezahlung vor, legen sie auf.
Fährt meine Schwester eine Strecke größer 20 Minuten mit Bus, Bahn oder PKW hat sie immer zwei Wurstbrote und ein Sunkist dabei. Man kann ja nie wissen, ob auf der Strecke ein Meteorit einschlägt oder plötzliche Hindernisse einen mehrstündigen Aufenthalt ohne Nahrungsversorgung nötig machten. Bisher hatte ich drüber gelacht, nun spekulierte ich, ob sie wohl kostenfrei teilen würde.

Danke für Ihre Fahrt mit der Deutschen Bahn
Tina Voß