Manche Uhren ticken anders

Ich bin pünktlich. Immer. Wenn nicht, krieg ich Herzrasen und schwitzige Hände. Falls es sich abzeichnet, dass ich mich um 30 Sekunden verspäte, rufe ich die wartende Verabredung an, um  sie über die drohende Fehlplanung meiner Anreise zu informieren. Meine Uhren gehen immer 2-3 Minuten vor. Sicher ist sicher. Meine Freundin Sandra ruft mich an, wenn ich nicht 10 Minuten vor der vereinbarten Zeit da bin, und rechnet mit dem Schlimmsten. Eine solche Verspätung ist sie einfach von mir nicht gewohnt. Wir sind da Schwestern im Geiste.
ER hat das Problem nicht. Deswegen werden wir gerne zu unterschiedlichen Zeiten eingeladen. Eine halbe Stunde früher für IHN, eine viertel Stunde nach dem geplanten Aufeinandertreffen für mich. So kommen wir gemeinsam am vereinbarten Ort an.  Lädt uns jemand zur gleichen Zeit ein, ist mein Zeitfenster für Toleranzen nur einen Spalt breit offen. Zwanzig Minuten vor Abfahrt informiere ich IHN über den drohenden Aufbruch. Fünf Minuten vorher zähle ich laut die Sekunden (und zwar alle EINZELN) runter. Meist verliert ER dann die Nerven. Dann setze ich mich ins Auto und starte den Motor. Je nach Tagesform hupe ich auch mal. Handelt es sich um einen Termin im Winter, lasse ich auch die Haustür offen stehen.
Von draußen brülle ich dann den letzten Countdown, analog zu Cape Canaveral, ab zehn runter. Wenn ER bei drei die Haustür zuschmeißt, fahre ich los. Bin ich zu streng?

 
Ihre
Tina Voß