Männerschmuck

Immer, wenn ich denke, dass ich von total normalen KollegInnen umgeben bin, kommt etwas dazwischen, das mich daran zweifeln lässt.
An Weiberfasnacht trug nur einer der männlichen Kollegen aus Vergesslichkeit eine Krawatte und nur eine der weiblichen Kollegen aus Berechnung pinkfarbene plüschige Hasenohren.  Zumindest trug sie die, wenn ich außer Sichtweite und der Kollege innerhalb war. Für einen Kundentermin, der ein halbwegs seriöses Äußeres erforderte, war der Tag denkbar ungünstig gewählt. An dem Tag schneiden Frauen den Männern die Schlipse ab, um sie zu entmachten. Bei einer Frauenquote im Unternehmen von 95% macht frau das nur so aus Brauchtum-Gründen.
Der Kollege hatte aufgrund seiner norddeutschen Abstammung das heikle Datum bei der Wahl seines Outfits nicht im Sinn und schmückte die Krawatte daher zur Sicherheit mit verschiedenen Aufklebern. „Ich bin keine Krawatte-ehrlich!“ oder  „Schere weg! Ich war teuer“ und „Nur bunter Männerschmuck – bitte nicht abschneiden“.
Wie man sich wohl fühlt, wenn man ganzen Tag von Kollegin mit Plüsch-Karnickel-Ohren verfolgt wird? Er brach auf jeden Fall früher zum Termin auf, als nötig gewesen wäre. Auf den letzten Metern wollte er kein Risiko mehr eingehen. Rosenmontag und den Tag darauf hatte er übrigens Urlaub. Danach erschien er im T-Shirt. Wir vermuten, dass er seinen Anzug im Auto versteckt hat. Wo wohl Dany ihre Plüschohren bunkert?

Liebe Grüße

Tina Voß