Männerquote

Wir sind im Büro so über den Daumen vierzig Menschen, davon (jetzt genau gezählt) drei frei laufende Männer.  Die dürfen sich bei uns im Büro ungehindert bewegen. Sie dürfen mit abstimmen, sind an Entscheidungen beteiligt und besuchen eigenverantwortlich ohne weibliche Begleitung Kunden. Den vierten Mann habe ich nicht mitgezählt. Der ist ein Praktikant und der darf das alles nicht. Aber da machen wir beim Geschlecht auch keinen Unterschied. Auch weibliche Praktikanten werden bei uns nicht freilaufend gehalten.

Die Jungs haben sich im Laufe der Jahre etwas eingegroovt und rennen nicht mehr peinlich berührt aus der Teeküche weg, wenn drei Frauen mit Wärmflaschen in der Hand über Zyklusschmerzen reden und gemeinsam warten bis das Wasser für die Gummiöfen endlich kocht. Wir verlangen aber auch nicht, dass sie Ballerinas im Internet bestellen und kreischen, wenn die Pakete ankommen. Sie tragen ohnehin vernünftiges Schuhwerk, obwohl es Pumps auch in Übergrößen gibt. Die jeweiligen Frauen der Jungs pflegen einen entspannten Umgang mit dem weiblichen Arbeitsumfeld ihrer Männer und profitieren von deren gesteigertem Verständnis für die Belange von Frauen.

Allerdings hatten wir vor ein paar Jahren auch mal einen Kollegen, dessen Frau das nicht so gelassen hinnahm. Der arme Kerl hatte von ihr einen Kalender fürs Büro geschenkt bekommen, dessen Blätter jeden Tag ein anderes Foto seiner Frau zeigten. Wir Hundebesitzer waren damals schon voller Verständnis, dass da jemand sein Revier so deutlich markiert hatte. Wir schlugen allerdings auch vor, dass er T-Shirts mit ihrem Gesicht tragen sollte und bei einer Hochzeit doch ihren Namen annehmen könne, damit die Besitzverhältnisse auch wirklich eindeutig waren. Der Kollege ist schon länger nicht mehr da, aber einer Heiratsanzeige der örtlichen Tageszeitung konnte ich entnehmen, dass er nun einen Doppelnamen trägt.

 

Ihre Tina Voß