Landkarten

Der Lack ist ab, der Zahn der Zeit nagt und andere Nettigkeiten bekommt frau nach ihrem vierzigsten Geburtstag wohlmeinend und vor allem ungefragt zugeworfen. Die Bemerkungen kann man noch hoheitsvoll weglächeln. Aber das fieseste Accessoire ist der dreifache Vergrößerungsspiegel in Hotelbadezimmern. 

Augenbrauen sehen aus wie Schweineborsten, Hautporen wie die Oberfläche des Mondes und aus feinen Linien rund um die Augen werden Entwässerungsgräben. Diese Kopflandkarte hat dann auch noch so unwürdige Namen. Eben freute ich mich noch über freundliche Lachfalten, zack sind es Krähenfüße. Die sehen unten an den Vögeln angebaut schon scheußlich aus. Kommen noch Schlupflider hinzu, kann man die ganzen Lappen nur noch nach hinten tackern und ignorieren, dass bei Google sogar unfreundlich von Hängelidern berichtet wird oder schadenfroh vorgeschlagen wird, dass man bei Stirnfalten seinen Hut ja auch aufschrauben kann. 

Die HNO-Ärztin untersucht nicht mehr die Stirnhöhlen, sondern streicht besorgt über die „asymmetrische Zornesfalte“ über der Nase und bietet Nervengift-Injektionen an, damit das Ding ausgeschaltet wird.

Auch der Bereich um den Mund, der das Gesicht von Angela Merkel immer so traurig aussehen lässt, verändert sich. Nasolabialfalten graben sich ungefragt, aber zumindest symmetrisch, rund um die Mundpartie. Wikipedia hat eine eigene Seite, die sagt, dass „beim Herabsacken des Mittelgesichtes die N. tiefer werden“. 

Ich tackere ab jetzt Kleenex-Tücher aus dem Hotelspender über den Lüge-Spiegel und werde alle Krähenfüße, Gräben und Mittelgesichtsabsacker schlicht Linien nennen. Das ist ein freundliches Wort mit einer eingebauten Neutralität. 

 

Liebe Grüße

Tina Voß