Kabelsalat

Ich mag so gerne Professionalität und von daher finde ich es super, dass Fußballspiele auf einem Sportsender übertragen werden. Leider gibt es Spiele, die in der Republik nicht so hoch angesehen sind. So geschieht es dann, dass diese Spiele auf einem Sender namens Kabel1 übertragen werden. Der existiert seit 20 Jahren und seit Hannover 96 in der Europa-League spielt, hat der Sender auch einen Platz auf meiner Fernbedienung gefunden (Slogan 1996: Muss ich sehen).

Wie muss ich mir wohl einen regelmäßigen Kabel1-Gucker vorstellen, wenn die fortwährend eingeblendete Sender-Quizfrage lautet: An welchem Fluss liegt Hannover? a) An der Leine b) An der Schnur?

An der Schnur? Als der Moderator bei den unzähligen Quiz-Frage-Unterbrechungen unbehaglich nachschob, dass diese Frage nur was für Geografie-Feinschmecker wäre, bekam ich Angst (Slogan 1994: Einfach besser drauf). Ob Kabel1 viele Zuschauer verloren hat, weil die denken, dass man den Sender niemals über Satellit empfangen kann? Die Handlung auf dem Spielfeld fungierte sowieso nur als eine Art Stichwortgeber für die Stimme aus dem Off.

Unser Verteidiger fasst sich blutend an Kopp, Kommentator sagt: „Apropos Blut…bei uns wird der Boxkampf der Mega-Super-alle-Gürtel-Extra-Super-Schwergewicht-Titanen live übertragen. Da können Sie sich jetzt schon auf noch mehr Blut freuen.“ Der Rasen mit den durcheinander laufenden Spielern war auch eine schöne Kulisse um ausführlich über die Auslosungen einer anderen Liga zu schwadronieren. Und um am Ende dann nochmal die Geografie-Genießerfrage zu stellen.

Aus nackter Panik, dass er gleich das Wetter vorliest, über Eishockey redet oder schlimmer den hauseigenen Slogan „Kabel eins, eins Baby“ singt, bin ich ins Bett in dem festen Glauben, dass wir haushoch gewinnen. Das hat geklappt. Sieg, Sieg, Baby!

Ihre Tina Voß