It-Bag

Ich habe keinen Schuhfimmel. Schon gar nicht, wenn es darum geht, dass mehr Luft zwischen dem regulären Erdboden und mir ist und ich mehr balancieren als gehen kann. Aber ich scheine ein Problem mit Taschen zu haben.
Sie müssen cool und individuell sein, sie dürfen nicht wie eine Handtasche aussehen, aber trotzdem irgendwie als  eine solche fungieren. Segeltuchtaschen, alte LKW-Planen oder Fahrradbotensäcke habe ich schon lange durch.
Als ich während eines Vortrages irgendwann mal vor Langeweile beinahe einschlief und in meiner aktuellen Tasche wühlen wollte, hatte ich leider den Moment erwischt, wo der Redner eine Kunstpause machte. Da machte ich die Tasche auf. Die hatte leider einen Klettverschluss. Der ist laut. Der Redner sah mich entgeistert an. Alle drehten sich um, auch der Veranstalter. Er starrte auf meine LKW-Planentasche, hielt sie für selbst gebastelt und sagte: „Wenn das Geld für eine ordentliche Ledertasche nicht reicht, bin ich gerne bereit, mich an den Kosten zu beteiligen.“
Ok, also Leder. Ich fand eine Antikledertasche mit Schultergurt, die umwerfend aussah. Zuhause hob ER eine Augenbraue und fragte: „Gehst Du heute noch Fallen stellen, Trapper?“ Die war also auch Mist. Nächster Versuch war eine Designertasche aus Knautschleder. ER: „Wie schaffst Du es, die einzige Tasche im Laden zu finden, die aussieht, als wäre sie von einem Lastwagen überrollt worden?“
Meine letzte Tasche aus Feuerwehrschlauch, Filz, LKW-Plane und Armeesack lief einige Wochen smooth durch. Kopfschütteln und Lachen werte ich auch zu Hause nicht als Kritik. Dann empfahl mir eine Freundin einen Link, wo Taschen individuell aus Armeepostsäcken, alten Lederjacken und anderem Gedöns gebaut wurden. Ich war hingerissen und wartete zwei Monate, dass meine eigene Tasche den Weg zu mir fand. Jetzt ist sie da. Die Tasche übertrifft alles bisher dagewesene. Sie sieht aus wie ein Beweisstück. Tatbestand: Sachbeschädigung.

Ihre Tina Voß