Ich darf das!

Zuhause rumliegen und krank sein ist furchtbar. Wirklich? Wenn man die Erkältungssymptome wie Pommes in der Nase, Bauschaum im Kopf und das innere Glühen mal weglässt, aalen sich da auch noch positive Aspekte auf dem Sofa.
Rumkommandieren ist beispielsweise super. Sonst darf man das nicht. Wenn ich aber mit zittrigen Fingern auf SEINEN frisch gebrühten Cappuccino und SEIN letztes Stück Kuchen zeige und suggeriere, dass mich nur der Verzehr selbiger retten könnte, hat ER dem wenig entgegen zu setzen. Wenn ich anschließend SEINE Lieblingsschokolade esse und ihn bitte, Abendessen zu kochen, murrt ER auch nicht. Ich bin ja schließlich krank. Ständig benötige ich Taschentücher, Tee, Kekse, Scheibe Schinken („Schatz, mir ist schon ganz schlecht von den süßen Keksen“), Wasser, Apfelschorle („Nicht so! Mehr Wasser, weniger Saft!“) oder bitte, dass das Leergut wieder aus dem Zimmer geräumt wird.
Dieses Verhalten lernt man schon als krankes Kind. Da darf man die ganze Zeit jammern und meckern. Mama kümmert sich.
Neulich war ER krank. Das gab´s noch nie. Ich war hilflos. ER dachte doch wohl nicht, dass ich jetzt Köchin, Servierkraft und Krankenschwester in Personalunion spielen würde? ER jammerte jedoch nicht einmal, fuhr eigenständig in die Apotheke, bat mich um nichts und als ich mit hochgezogenen Augenbrauen fragend auf mein Stück Kuchen zeigte, sagte ER: „Ess ruhig alleine. Ich schmecke doch eh nichts.“ Abends war auch die Schoki noch da.

Mit dem stimmt doch was nicht, oder?

 
Ihre
Tina Voß