Hotel im Alter

Bisher musste ich bei Zimmerreservierungen nichts Besonderes beachten. Ich rufe in einem Hotel an, bestelle ein Zimmer und fahre dann hin. Soweit so einfach. Aber ich habe auch noch nie in einem Iglu-Hotel, Baumhaus-Apartment oder in einem Leuchtturm schlafen wollen.
Auch dieses Mal wollte ich nur ein Messezimmer buchen. Wichtig ist da für mich, dass sie ein Bett, WC und Dusche haben. Ich brauche keine Minibar, kann auf Fernseher verzichten, nur Handtücher wären schön. Alles in allem bin ich also ein total langweiliger Gast. Bisher habe ich in allen Fällen auch meine Rechnung bezahlt. Es liegen also keine Negativmerkmale vor, die mich zu etwas Speziellem klassifizieren.
Seit Heute ist alles anders. Die sehr freundliche Mitarbeiterin eines Hotels hat bei uns angerufen und wollte mich vor Anreise unbedingt sprechen. Ich war sicher, ich muss mir das Zimmer mit jemand teilen, der schräge Angewohnheiten hat. Tiere zum Abendessen schächten, offenes Feuer, Schlafen nur mit Baustellenbeleuchtung oder anderes Ungemach.
Als mich die Kollegin endlich, mit dem Hinweis „Es gibt ein Problem mit dem Zimmer“, gefunden hatte, nahm ich das Gespräch entgegen.
Hotelfrau: „ Gott sei Dank erreiche ich Sie noch. Es gibt ein Problem mit ihrer Reservierung.“
Ich: „Ach. Welches denn?“
Hotelfrau: „Das Zimmer hat ein Hochbett mit Leiter. Neulich hatten wir schon mal eine ältere Dame, die sich bitterlich darüber beschwert hatte. Das wollen wir gerne vermeiden.“
Ich schwieg. Und wünschte mir das Problem mit dem offenen Feuer.

Ihre Tina Voß