Haushaltshilfe

Als Kind habe ich beim Ernten der Erdbeeren immer die Ableger der Pflanzen mit voller Absicht zertrampelt. In der Regel dauerte es eine Pflanzreihe, bis ich in mein Zimmer geschickt wurde und nicht mehr helfen musste. Mir sind Ausweichstrategien also bekannt.
ER probiert auf vielerlei Weise, die Hausarbeit am Wochenende so zu boykottieren, dass ER in SEIN Zimmer muss. Beim Gemüseschneiden hat ER eine Zeitlupenmethode entwickelt, die perfekt symmetrische Zwiebelwürfel produziert, die ich leider am Anfang beim Anbraten brauche. Also wird ER am Ende der Produktionskette eingesetzt und darf symmetrische Petersilienwürfel schnitzen.
Ich lasse IHN sowieso nicht mehr unbeobachtet in der Küche werkeln, seitdem ich gesehen habe, dass ER den Feldsalat auswringt wie einen Scheuerlappen. Auf dem Teller liegen dann schlappe Blättchen, die schmecken, als wären sie vom LKW überfahren worden.
Also bereite ich das Essen zu und ER muss zur Waschmaschine. Da erwische ich IHN, wie ER das Sieb vom Trockner reinigt und die Flusen in die Toilette schmeißt. Das sieht dann aus, als ob jemand mit Staub-Durchfall zu Besuch war. Da ich so langsam Puls bekomme, beschließe ich auch das selber zu erledigen. ER merkt, dass es nichts mehr zu tun gibt, aber die Stimmung sich irgendwie verdüstert. Nach gründlichem Nachdenken, wie ER das wieder gerade biegen kann, bringt ER mir meinen Cappuccino in den Hauswirtschaftsraum, bevor ER sich endlich mit der Zeitung aufs Sofa legen kann.

Herzliche Grüße

Ihre Tina Voß