Handlesen nach Balkan-Art

Berufsbilder und deren Namen ändern sich im Laufe der Jahre, andere Dinge leider auch. Das Zigeunerschnitzel beispielsweise ist nun in der hannoverschen Stadtkantine ein Schnitzel nach Balkanart.

Früher gingen ältere, etwas verlebte Frauen nach Balkanart, verhüllt in bunte Gewänder, durch die Fußgängerzone und offerierten einen Blick in die Zukunft. Mit Aus-der-Hand-lesen.

Auf der INFA stand vor einem nüchternen grauen Messetisch ein Flipchart, das eine Kombination von Handlesen und graphologischen Gutachten zum Sonderpreis anbot. Bei Schnäppchen kann ich meist nicht vorbei gehen. Hinter dem Tisch saß, gut sichtbar, eine freundliche Dame mit altersgerechter grauer Kurzhaarfrisur zwischen allerlei elektronischen Geräten. Kein klimpernder Vorhang, keine bunten Röcke oder Schlangenringe. Ich zahlte und leistete eine Unterschrift. Sie legte das Blatt auf ein elektronisches Gerät. Eine graphologische Maschine? Dann nahm sie meine Hand und legte sie auf ein anderes elektronisches Gerät. Eine Handles-Maschine? Hinter ihr ratterten noch zwei Geräte los. Freundlich reichte sie mir zwei ausgedruckte Blätter und zwei Gummiringe mit dem Satz: „Vielen Dank, dass Sie unsere Dienste in Anspruch genommen haben.“

Zwei Scanner, eine Software und die dazugehörigen Drucker bildeten die Dienstleistung. Balkanart ist auch bei den althergebrachten Traditionen aus. PC-Kenntnisse und Gummibänder reichen völlig aus, um mir zu sagen, dass ich spontan bin und Extremsituationen meide.

 
Ihre
Tina Voß