Gute Nacht, Bob-Jim

Ich habe einen Freund und Verbündeten aus meinem Schlafzimmer geschmissen und entsorgt. Nie wieder wird Tom mich sanft in den Schlaf sprechen, denn sein Sprachrohr, der Fernseher, wohnt jetzt auf der Kippe und die Themen des Tages finden ohne mich statt.

Wenn bei N24 die Mittelstreckenraketen im Wandel der Zeit oder XXL-Brücken bis zur letzten Schraube erklärt wurden, war ich immer dabei und habe quasi im Schlaf gelernt. Aufgewacht bin ich meist nur mal kurz nach Mitternacht, wenn gewagt geschminkte Frauen den Spät-Guckern Rufnummern entgegen gestöhnt haben, nicht ohne dabei fortwährend am Zeigefinger zu lutschen.

Das alles soll irgendwie nicht gesund sein, das fernsehbegleitete Schlafen meine ich, nicht das andere.

Als der Fernseher nun implodierte, nutzte ich die Gelegenheit, ihn durch einen Stapel Bücher zu ersetzen. Nun meucheln sich mordende Psychopathen durch mein Schlafzimmer. Sie sägen Beine ab, machen Aderlass bis zum letzten Tropfen oder fahren die Köpfe ihrer Opfer im Kofferraum spazieren. Bei den XXL-Bauten-Reportagen konnte ich irgendwie besser schlafen. Nun will ich wissen, ob es im Buch Überlebende gibt und lese die halbe Nacht durch. Morgens sehe ich aus wie Derrick und mein Kiefer knackt vom vielen Gähnen.

Vielleicht sollte ich meine Lektüre ändern? Ich werde Feldversuche starten mit so knackigen Zeitschriften wie „Baum und Borke“, „Senioren heute“ oder, wenn das alles nicht hilft, lese ich den Bundesanzeiger. Wann hat man schon mal Muße alle Handelsregisterveröffentlichungen der Republik in einem Rutsch zu erfahren?

Ihre Tina Voß