Gezupftes Schwein

 

Diesen Sommer setzt ER zu einem Quantensprung an. Vergleichbar, als wenn ich UKW-Empfangsgeräte mit einem Brennpeter zusammendengeln würde, weil ich Radio Andernach hören möchte. ER, der nur Butternudeln kochen kann, will Pulled Pork zubereiten. Männer im Besonderen kochen nicht einfach und essen. Nein, die kaufen über mehrere Wochen verteilt Zubehör. Und dann liegt da eines Abends ein Stück Fleisch, groß wie ein entbeinter Schäferhund, auf dem Tisch. Dazu hat ER Apfelsaft mit Salz, Zucker (tassenweise!) und Worcester-Sauce gemixt. Die W-Sauce kann ER nicht aussprechen und musste bei frag-mutti.de nachschlagen. Sie heißt „Wuster-Sauce“, nicht etwa „Wörtschester“. Mit einer armdicken silbernen Aufziehspritze, die aussieht, als wäre sie aus dem Mittelalter in unsere Küche katapultiert worden, piekst ER die braune Apfel-Zucker-Wuster-Plörre in den leblosen Haufen. Als ER mich fragt, ob man Weißkohl im Sommer kaufen kann und ob der Ofen auch die Eigenschaft hätte, Brötchen zu backen, erstarre ich. Will er auch noch die Teller töpfern, von denen wir essen und die Gabeln über offenem Feuer schmieden? Im Grill wird zu gegebener Zeit eine lange Wurst aus Holzkohle gelegt, die aussieht wie eine Würgeschlange im Mittagsschlaf und dann muss der Brocken darauf 16 (!) Stunden garen. Danach einige Stunden ruhen, hüpfen, stretchen oder etwas in der Art. Meine Aufmerksamkeitsspanne war schon zu Ende, als die Rezeptbeschreibung noch andauerte. Ich habe auch vergessen, ob der Klumpen anschließend noch in einem handwarmen Erdloch nachreifen muss. Diesen Text schreibe ich an einem Donnerstagabend, ab Samstagabend wird mit Ergebnissen gerechnet.

Herzliche Grüße

Ihre Tina Voß